Erfahrungsberichte

 

Erfahrungsbericht Michaela

 

Im Oktober 2009 wurde mein Traum, den ich schon als Kind hatte, wahr. Ich bekam die Chance einmal in einem Krankenhaus in Afrika zu arbeiten. Von Beruf bin ich Kinderkrankenschwester und nun hatte ich endlich mal die Gelegenheit dazu.

Am 1. Tag nach unserer Ankunft haben wir mit einer Ordensschwester das Kapiri Hospital besichtigt. Es waren für mich sehr viele neue Eindrücke, die ich zu verarbeiten hatte. Schwierig war es auch mit der Verständigung, da ausschließlich Englisch gesprochen wird.

Die Arbeit begann am nächsten Tag morgens um 7:30 Uhr, wo zuerst die Übergabe vom Nachtdienst erfolgte. Anschließend ging es dann auf die Station. Hier wurde dann zuerst bei allen Kindern die Temperatur gemessen.

Für mich war es unfassbar dass so viele Kinder in 2 Krankenzimmern mit je 12 Betten untergebracht werden konnten. Es waren sicher 70 - 80 Patienten mit ihren Müttern. Sie alle saßen entweder auf Betten oder auf dem Boden. Nachdem alle gemessen waren kam der Arzt um Visite zu machen. Hier verordnete er Medikamente und untersuchte die kleinen und großen Patienten. Es wurden von ihm dann auch immer Patienten entlassen, aber meist waren dann nachmittags wieder gleich viele oder noch mehr stationär aufgenommen. Anschließend hatten die Pflegekräfte die Verordnungen des Arztes auszuführen. Viele Kinder bekamen Antibiotika gespritzt, was jedes Mal ein großes Geschrei auslöste.
Um die Mittagszeit wurde es in den Krankenzimmern ruhig, denn dann waren die Mütter zum Kochen nach draußen gegangen, die Kinder mit in einem Tuch auf dem Rücken gebunden. In Afrika spielt sich das Leben in einem Hospital meist draußen ab, drinnen wird nur geschlafen oder wenn medizinische Versorgung benötigt wird.

Dieses Jahr ist es nun das 6. Mal dass ich nach Malawi fliege und in der Zwischenzeit haben wir auch im Süden noch ein Gesundheitszentrum das wir finanziell unterstützen. Dort ist dieses Jahr mit unserer Unterstützung eine Kinderstation eingeweiht worden.

 

Erfahrungsbericht Annette

 

Von und über das Hospital Kapiri in Malawi habe ich von meiner Schwester erfahren.

Sie war seit 2009 einmal jährlich in Kapiri um in der Klinik mitzuarbeiten und Spenden zu überbringen.

Wie sie bin ich von Beruf Kinderkrankenschwester und durch ihre Erzählungen stieg mein Interesse dort mitzuarbeiten zunehmend. 2013 war es nun endlich soweit. Da Malawi kein klassisches Touristenziel ist, gibt es wenig regelmäßige Flüge. Wir flogen über Addis Abbeba nach Lilongwe. Dort wurden wir vom Fahrer des Karmeliterordens, welche das Krankenhaus betreiben, abgeholt.
Untergebracht waren wir in einem Gästehaus und wurden von den Schwestern mit Nahrungsmitteln versorgt. Die Bandbreite der verfügbaren Lebensmitteln ist überschaubar, eine Folge der Misswirtschaft, Binnenlage und somit Abhängigkeits Malawis von den Nachbarländern.
Wir bekamen Tee, Eier, Tomaten, Geflügel, Brot, Zwiebeln und Kartoffeln.
Malawi erschien mir auf den ersten Blick als ein weites endloses Land, geprägt durch Trockenheit und Armut. Die Menschen in Malawi leben in sehr einfachen Verhältnissen. Zumeist in Hütten ohne Strom- und Wasserversorgung. Ihr Hauptnahrungsmittel ist Mais, Obst gibt es nicht und nur selten Gemüse. Wir wurden sehr freundlich aufgenommen und die Menschen dort waren stets hilfsbereit. Äußerst positiv habe ich die Dankbarkeit der Menschen empfunden. Als ich im Verbandsraum arbeitete, bedankten sich die Menschen zumeist mit einem Lächeln oder verbeugten sich sogar. Eine Frau kniete sich vor mir nieder, was mir sehr ans Herz ging.
Die Verhältnisse in der Klinik waren sehr einfach, nicht mit deutschen Standards zu vergleichen. Zehn Betten in jedem Raum, keine Intensivmedizin. Es fehlt an Medikamenten, Verbandsmaterial, Arbeitsmaterial im Allgemeinen. Von sterilen Verhältnissen ganz zu schweigen. In Malawi ist man hauptsächlich zu Fuß unterwegs, einige wenige besitzen ein Fahrrad, Autos gibt es dort so gut wie keine. Aus diesem Grund ist der Krankenwagen der Station unentbehrlich bzw. wäre es dringend notwendig, weitere anzuschaffen.
Ein prägendes Erlebnis für mich war, die einen hochtechnisierten und pharmazeutisch geprägten Klinikalltag gewohnt ist, als ein zweieinhalbjähriges Kind mit Malariaschub kam. Es begann zu krampfen und verstarb am nächsten Tag. Es erhielt nur Medikamente für das Fieber und das Krampfen, ansonsten keine weiteren Medikamente oder Untersuchungen und es wurde auch nicht reanimiert. Neben der grundsätzlich schlechten medizinische Versorgung ist dieses Erlebnis Antrieb für mich, Spenden zu sammeln und wieder zu kommen. Ich würde gerne meinen Beitrag dazu leisten, die Situation dort etwas zu verbessern. Denn was mit Spendengeldern möglich ist, konnte ich anhand des Pädiatriegebäudes sehen, welches im Dezember 2013 fertig gestellt wurde.

 

Erfahrungsbericht Gabriele

 

Meine Schwester Michaela war im Oktober 2009 im Hospital Kapiri in Malawi. Sie erzählte ganz begeistert von Ihrer Reise und den Erfahrungen, die sie dort gemacht hatte. Diese Erfahrung wollte ich unbedingt selbst einmal machen und ich packte die Gelegenheit beim Schopf.
Im Oktober 2010 flog ich mit meiner Schwester nach Malawi. In Lilongwe wurden wir von zwei Schwestern des Karmeliterordens, die die Missionsstation Kapiri leiten, abgeholt.
Die Fahrt nach Kapiri dauerte Stunden, da die Fahrt dazu genutzt wurde, entweder eine andere Missionsstation des Ordens zu besuchen, oder um weitere Besorgungen wie z.B. Eier zu kaufen. Die Straßen sind ohne Beleuchtungspfosten, sodass die Fahrt bei Dunkelheit nicht ganz ungefährlich war, da die Menschen am Straßenrand zu Fuß unterwegs waren. Es kommt öfters vor, dass Menschen überfahren werden. Als wir endlich in Kapiri ankamen, wurden wir im Gästehaus untergebracht. Die Schwestern versorgten uns mit Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, teilweise aus dem eigenen Garten und Toastbrot.
Am nächsten Tag führte uns eine Ordensschwester auf dem Gelände der Missionsstation herum und erklärte uns alles.
Zur Missionsstation gehört das Hospital mit Gelände, eine Kirche und verschiedene Wohngebäude, unter anderem auch für die Angestellten des Hospitals.
Der Tag im Hospital begann immer mit einer Besprechung, wo die Übergabe vom Nachtdienst erfolgte. Da ich beruflich nicht im Medizinbereich tätig bin, versuchte ich trotzdem, mich ein wenig nützlich zu machen und half beim Fieber messen und beim Verteilen der Medikamente.
Eines Morgens, als wir auf die Kinderstation kamen, waren ca. 100 Frauen mit Ihren Kindern in zwei Räumen mit ca. 24 Betten. Die Frauen saßen auf den Betten und auf dem Boden zwischen den Betten. Alle warteten geduldig bis sie an die Reihe kamen und der Arzt alle kranken Kinder untersucht hatte. Dies dauerte so ca. 3­ - 4 Stunden. So etwas ist in Deutschland undenkbar.
Eine Mutter kam mit Ihrem Kind, das an Malaria erkrankt war. Da der Eisenwert sehr niedrig war, benötigte das Kind eine Bluttransfusion. Dies ist aber nur möglich, wenn ein Verwandter Blut spendet, damit das Lager mit den Blutkonserven vollständig bleibt. Da die Mutter das Aidsvirus hatte, konnte Sie nicht spenden und ein Verwandter war nicht dabei. Erst als wir uns als Spender anboten, bekam das Kind eine Bluttransfusion.
Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass die Kinder nicht gleich mit der dunklen Hautfarbe zur Welt kommen, sondern eher eine milchige Haut haben. Erst nach ca. 10 Tagen ist die Hautfarbe schwarz. Ich konnte bei drei Geburten dabei sein, das war für mich ein tolles Erlebnis.
Was mir besonders im Gedächtnis bleibt, ist die Zufriedenheit der Menschen, obwohl sie sehr wenig zum Leben haben und jeden Tag ums Überleben kämpfen müssen. Sie sind sehr dankbar für jede kleine Hilfe, die sie bekommen.
Das ist für mich der Antrieb, Spenden zu sammeln, um damit den Menschen dort helfen zu können bzw. Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen.

 

Erfahrungsbericht Karina Springer

 

Malawi vom 27.10. – 11.11.2014 und vom 21.4. - 10.5.16

Schon seit vielen Jahren ist Entwicklungshilfe ein Thema für mich. Gerne hätte ich mich schon früher engagiert, wusste aber nie, wie ich das bewerkstelligen sollte. Die großen, namhaften Organisationen waren mir schlichtweg zu groß und kleinere Organisationen kannte ich nicht. Durch einen glücklichen Umstand lernte ich Ende 2013 Michaela Bek, Krankenschwester in der Rehabilitationsklinik Katharinenhöhe Schönwald, kennen. Im Laufe unserer Gespräche berichtete sie leidenschaftlich von ihrem Engagement für das im Südosten Afrikas gelegene Malawi und dem damals gerade ins Leben gerufenen Verein „Malawihilfe Schönwald e.V.“ Für mich war sofort klar, das ist es – da möchte ich hin und dort möchte ich meine Hilfe – auch finanzieller Art – eingesetzt wissen. Michaela berichtete von Projekten, die der Verein seit Jahren unterstützt und die sie selbst angestoßen und erfolgreich abgeschlossen hat, wie beispielsweise – um nur ein Projekt von inzwischen vielen zu nennen - der Bau einer Kinderstation für das Health Center Sharpe Vale. Schnell wurden wir uns einig, daß ich sie bei ihrem nächsten Besuch im Herbst 2014 begleiten werde. Die Flüge – von uns privat finanziert – wurden gebucht. Familie, Freunde, Bekannte, Vereine, Arbeitgeber (auch die Model AG beteiligte sich), Institutionen wie z.B. das Schwenninger Hospiz Via Luce, das Schwenninger Bürgerheim und viele mehr wurden sehr erfolgreich um Geld- und Sachspenden gebeten. Am 27. Oktober 2014 war es dann endlich soweit. Mit 92 kg Gepäck - davon für uns persönlich vielleicht ca. 5 kg pro Person, alles andere waren Verbandsmaterialien, medizinisches Gerät, 2 Medikamente, Baby-/Kinderbekleidung, Leinentücher, T-Shirts und schlussendlich Süßigkeiten für die Kinder - machten wir uns auf den Weg nach Malawi. Von Frankfurt mit Stopover Addis Abeba ging es nach Lilongwe, der Hauptstadt Malawis. Dort wurden wir von Father Andrew, einem jungen, sehr engagierten Priester des Parish Sharpe Vale, herzlich empfangen. Er brachte uns mit dem einzigen Fahrzeug - einem schon stark in Anspruch genommenen Toyota - das dieser Gemeinde zur Verfügung steht, von Lilongwe nach Sharpe Vale. Dieses Fahrzeug dient als Krankenwagen, Taxi, Transporter etc. Ist der Toyota im Einsatz, darf im Health Center nichts passieren, was einen Krankentransport erforderlich machen würde, denn es stünde kein Fahrzeug zur Verfügung. Eine Situation, die für uns hier unvorstellbar ist. Inzwischen wurde der Toyota bei einem schweren Verkehrsunfall total geschrottet. Die Situation momentan ist äußerst schwierig. Durch extreme Regenfälle im Frühjahr dieses Jahres wurde fast das gesamte Saatgut weggeschwemmt und – was der Regen nicht schaffte, hat die Sonne geschafft – der Rest verdorrte durch die nachfolgende Hitze. Derzeit besteht eine wirkliche Hungersnot. Der Verein hat beschlossen, alle anstehenden Projekte zu stoppen und die finanzielle Unterstützung in die Beschaffung von Mais - der Preis steigt täglich - zu investieren. Nachricht via Facebook von Father Andrew am 14.07.2015, nachdem der erste Spendenbetrag zum Erwerb von Mais in Sharpe Vale eingetroffen ist:

Angozo Andrew Mtendere Maize distribution at Sharpe Vale. Thanks to my German friends like Michaela Bek, Stefanie, Karina, Annette etc. God bless you.
Im Health Center Sharpe Vale angekommen, wurden wir herzlich von Schwestern, Pflegern und Patienten begrüßt. Wir besichtigten zuerst die Anfang 2014 fertiggestellte und in Betrieb genommene Kinderstation – finanziert durch Spenden des Vereins und tatkräftige Unterstützung von Michaela. Dann ging es weiter in die Schule, die für ca. 3000 Kinder zuständig ist. Für die Schule und das Krankenhaus wurde im vergangenen Jahr ein Betrag von mehr als 3500 Euro zur Verfügung gestellt um ein besonderes Projekt zu fördern: die Stromversorgung. Wir können uns nicht vorstellen, bei Kerzenlicht zu lernen, zu lesen oder gar operiert zu werden. Dort war es bis dato völlig normal, denn Strom ist nicht selbstverständlich, genauso wenig wie Wasser.

 

Erfahrungsbericht Tanja Sollat 

 

Ich habe meine erste Reise nach Malawi im September 2011 begonnen. Michaela, Mamas Freundin hat uns immer sehr viel über die Situation in Afrika berichtet. Daher war es ein grosser Wunsch von mir, einmal mitzufahren und mitzuhelfen. Dieser Wunsch ging im September 2011 in Erfüllung. Schon bei der Ankunft in Kapiri wurde mir schwer ums Herz. Wie die Menschen in diesem Land leben, von Armut und Hunger gezeichnet und trotzdem voller Leben und Freundlichkeit… das hat mich tief bewegt. An meinem ersten Arbeitstag im Krankenhaus lernte ich die Unterschiede unserer Länder drastisch kennen. Blutkonserven an die Wand getackert, wackelige Betten, Massenansammlungen bei der Anmeldung. Unglaubliche Zustände….Da gelernte Bürokauffrau und nie im Gesundheitswesen tätig, waren die ersten Tage ziemlich heftig für mich. Deshalb bin ich dann zu Dr. Banda in die HIV-Abteilung gewechselt. Hier haben wir die monatlichen Medikamente an die Menschen verteilt. Haben sie gewogen, informiert und betreut. Nach 10 Tagen Aufenthalt in Kapiri haben Michaela und ich dann von einem Dorf namens Sharpe Vale erfahren, in dem noch viel schlimmere Zustände herrschen. Wir haben dann beschlossen mit Father Andrew, dem dortigen Pfarrer, dieses Gebiet zu besuchen. Der Schock saß tief. Ein junger Arzt war einmal die Woche im dortigen Krankenhaus anwesend. Die einzige Krankenschwester brachte duzende Kinder täglich alleine auf die Welt. Das Krankenhaus bestand aus alten brüchigen Ziegeln, Massen von Leuten lagen in einem Raum und der Gestank war kaum auszuhalten. Unsere Tiere in den Ställen leben bei weitem besser als diese Menschen, die dringend Hilfe brauchen. Das einschneidenste Erlebnis war, als ein kleiner Junge mit seinem Vater in dieses Krankenhaus kam. Er hatte schwerste Verbrennungen am ganzen Körper. Der Vater erklärte uns traurig und um Hilfe flehend, sein Sohn wäre in eine Feuerstelle gefallen. Da keinerlei Medikamente im Krankenhaus zur Verfügung standen, wurden dem kleinen vor Schmerzen schreienden Jungen mit Kochsalzlösung die Wunden ausgewaschen und nach Hause geschickt. Leider konnte man für ihn vor Ort nichts mehr tun. Diese Erlebnisse gaben mir den Anlass Spenden zu sammeln und Michaela in Ihrem Tun weiter zu unterstützen. In den nächsten 2 Jahren konnte man einen enormen Umschwung In Sharpe Vale beobachten. Das neue Krankenhaus wurde gebaut, die Menschen können nun täglich vom Arzt behandelt werden und das beste: Die wichtigsten Medikamente sind nun vor Ort. Dies alles hat mich tief bewegt.
Danke Michaela, der Engel von Sharpe Valley und danke dass ich dies erleben durfte und vielleicht ein bisschen zu einem lebenswerteren Leben der Menschen in Malawi beitragen konnte!